Vielleicht beginnt hier am Flughafen
eine große Basketball-Karriere. Trainer Allen Smith
wartet auf einen Unbekannten. Er kennt ihn nur von Fotos,
aus Mails und Telefonaten. Es klingt komisch,
aber es ist wie Dating, irgendwie. Dass du Leute aussuchst
und die müssen bei dir passen, bei der Familie, beim Team. Irgendwie ist es komisch,
aber trotzdem ist es ein Prozess. Letztes Jahr wurde sein Team
Vize-Meister der 1. Regionalliga. In dieser Saison wollen
die Neustadt Shooters noch mehr. Wir wollen
in die 2. Bundesliga aufsteigen und brauchen
einen vernünftigen Point Guard. Dieses Jahr haben wir mehr Druck. (Englisch) Er soll den Aufstieg möglich machen: Brandon Roberts aus Alabama,
23 Jahre alt, 1,78 m groß. Wenn alles gut geht, bleibt er
in Deutschland für ein Jahr: Untertitel:
Norddeutscher Rundfunk 2019 Ich bin froh,
dass du es heil hergeschafft hast. Dein Zimmer ist schon hergerichtet. Well, okay. Let’s go! Brandon hat in Alabama
an einem kleinen College gespielt. Sein Traum: ein Vertrag
in der amerikanischen Profiliga NBA. Dann winken Millionen –
Fans und Dollars. Aber abseits der NBA lässt sich in
den USA damit kein Geld verdienen. Dann bleibt Basketball ein Hobby. Wer trotzdem Profi werden will,
geht ins Ausland – so wie Brandon. Und jetzt bin ich in Deutschland! Wo wir hinfahren,
gibt’s viele Felder. Auch ein paar Gebäude,
aber es ist eine kleine Stadt. It’s Neustadt … … am … am? Yeah. Rubenbörg. …berge. Ruberge? No, Ruben. Like Rubin? Neustadt am what? Rubin… Rubin… …berge. Rubinberge. Neustadt am Rubinberga. Die beiden haben einen
gemeinsamen Bekannten in den USA, so entstand der Kontakt
vor wenigen Monaten. Nun zieht Brandon zu seinen deutschen
Teamkollegen in die Spieler-WG. * Hip-Hop-Musik * Sie wohnen zu sechst. Hier sind deine Sportsachen. Es fühlt sich anders an,
als ich dachte. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Ich freu mich aufs erste Training,
aber ich bin auch überwältigt. Ich hätt gedacht, ich bin müde,
aber ich kann gar nicht schlafen. Werden die Mitbewohner Freunde? Oder bleibt Brandon ein weiterer
Amerikaner auf der Durchreise? Wir müssen auch Spaß haben. Aber Meister werden,
ist das Wichtigste. Wenn wir aufsteigen,
ist meine Mission erfüllt. Dann ist alles gut. Las Vegas, Stadt der Superlative. Hier suchen Spitzenklubs
die besten Nachwuchsspieler. Bei der “Summer League” gibt es
Testspiele in der ganzen Stadt. Auch kleine Vereine schauen sich um. Aus Hamburg
ist Marvin Willoughby angereist. Er ist Geschäftsführer
der Hamburg Towers, 2. Bundesliga. Wir suchen nach einem Spieler
für die Hamburg Towers. Es sind sehr viele Agenten da,
sehr viele andere Trainer, GMs. Und viele Spieler, die auf die
Chance hoffen, entdeckt zu werden. Stop the ball! Für die NBA werden jedes Jahr
60 Nachwuchsspieler ausgesucht. Etwa 30 spielen dann direkt. Wer nicht dazu gehört,
bewirbt sich in der ganzen Welt. China, Russland, Westeuropa. Aber nicht jeder hier
hat das Zeug zum Profi. Basic basketball, man,
basic basketball. Towers-Manager Willoughby
trifft sich mit Mike Taylor, dem Trainer seines Teams. Sie wollen zwei bis drei neue Spieler
nach Hamburg holen. Ich weiß nicht, ob du entsetzt oder
beeindruckt warst von seinen Beinen. Schau mal,
wie dünn und gleichmäßig groß. Die sind ganz gerade.
Sieht merkwürdig aus, ne? Der ist noch kleiner als der,
den Michael gut fand. Es gibt den Witz, dass jemand
mit 2,10 m ins Flugzeug steigt, aber in Deutschland
nur noch mit 1,98 m ankommt. Dass du ihn wirklich siehst,
wie groß und physisch er ist. Sind das Muskeln
oder ist das eher Fett? Wenn ein Spieler unterschreibt,
man hat ihn für zehn Monate. Man will mit guten Jungs
arbeiten und trainieren. Wir suchen nicht nur den Spieler
als Basketballtalent, sondern auch, wie er ist als Mensch. Talent und Fitness
lassen sich schnell prüfen, Persönlichkeit nicht. Du willst keinen Spieler, der sagt: “Alles scheiße hier.
Ich bin der Star, küsst meine Füße.” Das läuft nicht. Jeder Spieler zahlt hier 500 Dollar, nur um sich Agenten, Trainern
und Managern präsentieren zu dürfen. Ich will im Ausland
mit Basketball mein Geld verdienen. Ich will noch nicht aufgeben. In Amerika gibt es
nicht so viele Möglichkeiten: Du gehst ins Ausland, wenn du nicht die NBA schaffst
oder in deren Entwicklungsliga. Ziel ist das Ausland, wenn du
die Chance bekommst, mach es. Dort gibt es viele Zuschauer,
die Basketball lieben. Die ständig auf dich zukommen,
weil du der Amerikaner bist. Das muss man ja wohl lieben. Die Talentsuche in Las Vegas
endet enttäuschend. Willoughby hat
keinen passenden Spieler gefunden, jetzt muss er per Telefon
und Internet weitersuchen. Die Schwierigkeit
ist die Menge des Angebotes. Es gibt Hunderttausende Spieler,
die gut Basketball spielen. Die Auswahl ist sehr schwer,
rauszufinden, wer der Richtige ist. Ob er zu dir passt,
in das europäische System, das sehr anders ist
als das amerikanische. Ob er in der Lage ist,
in Europa klarzukommen. Es sind ja alles Menschen,
die von zu Hause weggehen. Die ihren Staat verlassen und nach Bulgarien, Deutschland,
wo auch immer hingehen. Das ist ein Kulturschock. Neustadt am Rübenberge
hat 44.000 Einwohner. Hier ist Basketball klein. Brandon unterschrieb einen Vertrag,
ohne Neustadt gesehen zu haben. Oder Deutschland. Oder Europa. Was, keine Kreditkarte? Sein Kumpel, der ihn
an den Coach vermittelt hat, habe ihn
vor der deutschen Provinz gewarnt. Er hat gesagt:
“Freu dich nicht zu früh. Du wirst viel
in deinem Zimmer rumhängen.” Aber ich geh raus. Ich besorg mir ein Fahrrad, dann
bin ich in der Stadt unterwegs. Vielleicht finde ich
ja meine Frau hier. I love this. Okay, das ist nicht
meine Preisklasse. Er hatte den Traum, Profi zu werden,
längst abgehakt, im Baumarkt gearbeitet,
Regale gefüllt, Kisten geschleppt. Dann kam der Anruf aus Niedersachsen. Er soll das Team voranbringen –
für rund 900 Euro im Monat, wenn er dazu als Jugendtrainer jobbt. Er sagte sofort zu. Wenn du nach Europa kommst wie ich, geht es immer darum,
sich hochzuarbeiten. Ich hab nie in der NBA gespielt, war nie in Las Vegas
bei der Summer League. Also muss ich weiter
unten anfangen als die Jungs, die es direkt
an die Spitze schaffen. Das ist okay für mich. Vielleicht schätze ich es dann mehr,
wenn ich es geschafft habe. Dann kann ich
meiner Familie was bieten. Ich hab übrigens eine Tochter,
die vermisse ich wie verrückt. Sie heißt Giana. Mit Gianas Mutter
ist Brandon nicht mehr zusammen, aber sie schickt ihm
Videos der Tochter. * Giana, say: “Mama.” * Sie ist so ein tolles Baby. Ich habe viel Kontakt zu ihr,
aber ich bin hier auf einer Mission. Die Mission,
einen großen Traum zu verwirklichen: Eines Tages vom Basketball zu leben. Die Leute fragen,
warum ich herkomme, obwohl ich so wenig Geld kriege. Sie verstehen es nicht: Basketball ist riesig in Amerika,
die ganze Kultur. Jeder weiß, wer Michael Jordan ist,
LeBron James oder Kobe Bryant. Für manche Leute bedeutet Basketball
alles – und ich bin einer von ihnen. Was in Deutschland seltsam ist: Hier machen viele das nur nebenbei,
als Hobby. Ich denke dann immer: “Was?!” Ich will vom Basketball leben.
Und zwar gut leben. Nur Brandon, ein weiterer Spieler
und der Trainer sind fest angestellt. Die anderen sind Studenten,
Auszubildende, Minijobber. Umso mehr setzt der Verein
auf Brandon. Er versucht immer,
die anderen zu pushen. “Das können wir besser machen,
das und das können wir machen.” Das war meine Erwartung –
und es gefällt mir richtig gut. Mike, das gilt auch für dich. Du musst rennen. Du rennst nur dann, wenn du willst. Damit Brandon alles versteht,
ist die Teamsprache Englisch. Die größten Baustellen derzeit: Die schlechte Kondition der Spieler
und der mangelnde Teamgeist. Es geht nicht um den Einzelnen. Es ist schwer,
weil wir auch Konkurrenten sind. Aber vergesst nicht:
Es geht um das Team. Jeder muss für den anderen da sein,
füreinander kämpfen. Beim Spiel haben wir
alle das gleiche Trikot an. Good job! Team on three.
One, two, three: Team! Rendsburg in Schleswig-Holstein. Erstes wichtiges Auswärtsspiel
der Neustadt Shooters. Sie brauchen einen Sieg, die ersten drei Spiele
haben sie verloren. Die Mannschaft trifft
auf die Rendsburg Twisters. Auch sie wollen aufsteigen. Auch hier
soll ein Amerikaner dabei helfen: Pierce Cumpstone aus Ohio,
25 Jahre alt. Wie Brandon
das erste Mal in Deutschland. Ich will gleich gut oder besser sein
als die anderen Amerikaner bisher. Ich will beweisen,
dass ich die richtige Wahl war. Deshalb zählt jedes Spiel,
jede Minute, jeder Wurf. Und da wird’s schwierig, denn wir haben hier nur wenig Zeit,
um uns zu beweisen. Diese Zeit kann schneller
vorbei sein als geplant. Manchmal steht im Vertrag: Wenn du krank wirst
oder dich verletzt, kann man dich zurückschicken
und einen anderen verpflichten. Sonst zahlen sie für jemanden,
der gar nicht spielt. Die Nummer 17 der Amerikaner,
die Nummer 4, werden Gas geben. Team on three.
One, two, three: Team! Okay, macht denen das Werfen schwer, sorgt dafür, dass die immer
von woanders werfen müssen. Okay? Los geht’s. * Rockmusik
und rhythmisches Klatschen * Die Import-Spieler stehen
immer unter besonderer Beobachtung. “Die Amis müssen punkten”,
heißt es auf der Fan-Tribüne. Auch Trainer anderer Clubs, Scouts
und Agenten sehen sich Spiele an. Auf Talentsuche. Pierce und Brandon erzielen
zusammen ein Drittel aller Punkte. Am Ende gewinnt Neustadt – 83:75. Für Brandon ist es
nach vier Spielen der erste Sieg. Wenn du aus den Staaten kommst,
bist du mehr Leidenschaft gewöhnt. Nix gegen europäischen Basketball,
aber in den USA gibt jeder alles. Ähnlich wie hier beim Fußball. Als Amerikaner musst du
das erst mal akzeptieren. Aber wenn du gewinnst,
sind solche Momente großartig. Momente, die ihm dabei helfen,
endlich in Deutschland anzukommen. Hamburg, im November. Ich bin in den falschen Zug
gestiegen und in Bremen gelandet, ein Anfängerfehler,
aber jetzt hab ich’s geschafft. Brandon hat an diesem Wochenende
ein Spiel gegen Hamburg-Eimsbüttel. Er ist einen Tag früher angereist, um mal mehr zu sehen
als Umkleidekabinen und Turnhallen. Wenn ich allein bin, denke oft dran,
dass ich schon 4,5 Monate hier bin. Es fühlt sich länger an.
Und ich hab noch 4,5 Monate vor mir. Ich vermisse
mein Zuhause nicht wirklich. Meine Familie schon,
aber nicht meine Heimatstadt. Jetzt freue ich mich auf das,
was noch vor mir liegt. Wartet ab,
bis ich in der Bundesliga spiele. Dann verdien ich viel Geld, kann nach Hamburg ziehen
und meine Tochter Giana mitbringen. Vor seinem Spiel am nächsten Tag sieht er sich heute an,
wie es in der 2. Bundesliga so ist. Die Hamburg Towers empfangen
die Basketballer von Schalke 04. Die Hamburger füllen ihre Halle
bei jedem Heimspiel – 3500 Fans. Viele Leute, sehr gute Stimmung! Die Energie, die übertragen wird:
Das ist einfach toll. Die Atmosphäre
ist für die 2. Liga einmalig. Keiner kriegt
3000 Leute in die Halle. Das wäre gerade mal
eine High-School-Halle in Amerika. Brandon kann sich gut vorstellen,
eines Tages hier zu spielen. Die Spieler hier
sind größer und athletischer als die in unserer Liga. Von den Fähigkeiten
gibt es aber kaum einen Unterschied. Klar, die Verteidigung ist aktiver. Aber wir alle
können werfen und dribbeln. Ich würde supergerne
mal gegen diese Jungs spielen. Noch spielt Brandon
zwei Klassen unter den Towers. Hier sind alle Spieler Profis. Seine Hoffnung: Von so einem Verein
entdeckt zu werden und aufzusteigen. Immer weiter,
im besten Fall in die NBA. Das ist der Traum. Erfolgreiche Zweitliga-Vereine
werden dann zum Karrieresprungbrett. Glaube ich daran? Ja. Wir haben einen Coach aus der NBA.
Spieler haben da gespielt. Manche kamen näher,
weil sie hier gespielt haben. Es ist unwahrscheinlich.
Es ist die Nadel im Heuhaufen. Davon träumen diese Jungs. Und den Traum muss man
ihnen nicht kaputt machen. Sie haben die Chance. Es gibt ein paar,
die es geschafft haben. Sie halten Brandons Traum am Leben. Winterpause: Drei Wochen kein Basketball, kein
Mannschaftstraining, kein Spiel. Die meisten Spieler
sind schon bei ihren Familien. Brandon will sich fit halten. Doch der Traum vom Aufstieg
ist ausgeträumt. Wenn die Shooters
die nächsten Spiele nicht gewinnen, geht es darum, nicht abzusteigen. Wenn dein Team verliert,
die Chemie stimmt nicht: Das ist das echt frustrierend. Das erhöht den Druck,
v.a. auf den Profispieler. Der Typ von der Lokalzeitung, der
immer zu unseren Heimspielen kommt, meint, dass ich die Teamleistung
negativ beeinflusse. Er verglich mich
mit dem Amerikaner vom letzten Jahr, dass ich nicht so gut bin. Dass ich die Erwartungen
der Leute nicht erfülle. Ich bin ja
der Importspieler aus Amerika. Wenn das Team verliert,
ist immer der Amerikaner schuld. Brandon zog aus der Spieler-WG,
wohnt jetzt allein. Dafür muss er
mehr als Trainer arbeiten. Er mag seine Mitbewohner, sagt er,
aber sie räumen nicht so gern auf. Er hat es gerne ordentlich. Um die Stille zu füllen, läuft
oft der Fernseher – alte NBA-Spiele. Das ist Kobe Bryant,
2019 im Madison Square Garden, als er 61 Punkte gemacht hat. Ich schaue jeden Tag YouTube: Ein gutes Verteidigungsspiel oder wie Kobe oder Michael
richtig abgehen. Irgendwas mit Basketball jeden Tag. Zu Hause in den USA
geht Brandon fast jeden Tag essen. In Deutschland muss er
mit viel weniger Geld auskommen. Eine große Herausforderung, wenn man bedenkt,
was ich für Verantwortung habe. Für mein Kind, auch meiner
Mutter helfe ich finanziell. Meine Situation
ist nicht wirklich schlecht, aber ich muss
ein paar Opfer bringen. Ich kann mir
viele Wünsche nicht erfüllen. Aber solange ich mir was
zu essen kaufen kann, bin ich okay. Die Zeit wird kommen, in der ich
genug Geld habe zum Ausgeben. Bisher zeichnet es sich nicht ab,
dass er in Deutschland durchstartet. Nicht mal ein Anschlussvertag
in Neustadt ist im Gespräch. Auch in den nächsten Spielen kann er
nicht auf sich aufmerksam machen. Die Shooters verlieren zu oft. Mit jedem Spiel
wird der Abstieg realistischer. Brandon hält seine Familie
nach jedem Spiel auf dem Laufenden. What’s up? Nicht viel. Ich genieß die Ruhe,
wäre aber gerade gern zu Hause. * Musik: Eagles –
“One Of These Nights” * Hi. Sorry,
dass ich mich jetzt erst melde. Komme gerade vom Spiel.
Ja, wir haben verloren. # One of these nights One of these crazy old nights # Ich kann
seit über einer Woche nichts machen. Ich hab mir den Rücken verletzt
und konnte nicht spielen. Viele Ups and Downs in letzter Zeit. Aber ich lerne daraus. Ich vermisse mein Zuhause,
meine Familie, meine Tochter. Im April steht es fest: Nach dem letzten Saisonspiel
wird Brandon zurückfliegen, ohne Anschlussvertrag –
und ohne Agent in Sicht. Für mich ist es wichtig,
dass ich durchgehalten habe. So weit weg von zu Hause
und immer hart an mir gearbeitet: Das wär doch
für jeden schon eine Leistung. Im Rückblick, so scheint es, haben sich seine Ziele
an die Realität angepasst. Ich würde schon wiederkommen,
um hier zu spielen. Aber nur, wenn’s mehr Gehalt gibt,
ich meine Familie mitbringen kann. Das letzte Spiel der Saison,
zu Hause in Neustadt gegen Stade. Heute müssen sie gewinnen. Wenn wir dieses Spiel verlieren,
steigen wir ab, was niemand will. Ich kann doch nicht absteigen
und dann nach Hause fliegen. Deshalb will ich für mein Team
und die Fans heute alles geben. Für Brandon geht’s um die Ehre,
fürs Team um den Klassenerhalt. Vergesst eure Egos,
dass ihr müde seid. Ich bin auch müde, aber mein Team braucht mich
für dieses eine letzte Spiel. Am Ende werden alle sagen:
“Ja, es hat sich gelohnt.” Ein letztes Mal einlaufen
mit Brandons Jugendmannschaft. 700 Zuschauer sind gekommen. Defense! Defense! Das Spiel wird
ein Krimi um den Klassenerhalt: Lange sind
beide Mannschaften gleichauf. Die Neustadt Shooters wehren sich mit allen Kräften
gegen den drohenden Abstieg. Erst in den letzten zwei Minuten
kann Brandons Team sich absetzen. Mit acht Punkten Vorsprung
entscheiden sie das Spiel für sich. Der Abstieg ist abgewendet. Brandon kann
erhobenen Hauptes nach Hause fliegen. Jetzt überstrahlt der Sieg
all die schwierigen Momente. Die Einsamkeit in der Provinz,
der Frust, die Niederlagen. Er hat einen Superjob gemacht,
wahnsinnig gut. Ich bin gespannt,
wie seine Karriere weitergeht. Ob mit uns, oder oder oder. Die Teamkollegen wollen,
dass Brandon zurückkommt. Die Amerikaner waren immer arrogant, haben sich abgeschottet
vom Rest des Teams, haben gedacht: “Wir sind die coolsten.” Brandon war der freundlichste von
allen, hat sich immer eingebracht. Ein Superjunge. Jetzt ist nur noch Traurigkeit. Das Spiel ist zu Ende,
die Arbeit ist fertig. Jetzt wollen wir einfach nur die
restlichen 20 Stunden genießen. Er fliegt morgen,
ich bringe ihn auch zum Flughafen. Vielleicht fließen
noch ein paar Tränen. Schauen wir mal. Er ist mein Bruder geworden. Ich habe schon
mit einigen US-Spielern gespielt. Und es ist schade,
man entwickelt eine Freundschaft. Dann sind die weg und man weiß nie,
wann man sich wiedersieht. Ich hab vor,
nächstes Jahr in die USA zu fliegen. Ob ich nach Alabama fliege,
weiß ich nicht. Es wäre cool,
wenn er zurückkommen würde oder in ein anderes EU-Land –
das wär cool. Aber alles, was Brandon grad weiß,
ist, dass sein Flieger bald geht. In Alabama wird er
wieder im Baumarkt arbeiten und sich um seine Tochter kümmern. Aber der Traum
vom Profibasketball wird bleiben. Morgen gehe ich,
das ist alles überwältigend. Die ganzen Orte, an denen ich war. Dass ich überhaupt hier bin,
hätte ich nie für möglich gehalten. Ich bin doch nur
ein Typ aus Alabama. Und ausgerechnet ich
habe hier die Gelegenheit bekommen, das Spiel zu spielen, das ich liebe. Zusammen mit wunderbaren Menschen. Und das war eigentlich auch das
Schönste: diese Liebe der Leute. Und ich habe gelernt, mich nicht so wichtig zu nehmen
und stattdessen Liebe zurückzugeben. Es tut richtig weh, zu gehen. Was für ein Jahr. * Melancholische Musik * Copyright Untertitel: NDR 2019