. * Musik * (Berliner Dialekt) Mal gucken, was
die Katze vor die Tür gelegt hat. Äh …
Wir hatten ein bisschen Stress. Heute ist die vierte Sendung,
das Staffelfinale. Wir hatten für diese Sendung
86 Leute eingeladen. 86 Leute haben abgesagt.
* Publikum lacht. * Das ist eine Quote von … 100 Prozent. Weil ich gesagt habe,
wir laden nur Arschlöcher ein. Ähm … Ich habe mich vertan. Ich entschuldige mich dafür.
Wir haben das Konzept geändert. “Chez Krömer” ist nicht mehr
Anlaufstelle für Arschlöcher. Also für Arschlöcher …
und Freunde. * Lachen * Wir sagen aber nicht,
wer wer ist. * Lachen * Heute ist ein sehr guter Freund da.
Wir kennen uns seit zehn Jahren. Es ist Handballspieler … Ich muss ablesen, weil er wie gesagt
ein sehr guter Freund ist. Es ist Stefan Kretzschmar. Er ist 46,
sieht aber aus wie 18. Er ist das blühende Leben,
eine Handballikone und neuerdings Sportdirektor
der Füchse in Berlin-Reinickendorf. Ich freue mich sehr. Herr Kretzschmar? Ja. Ich freue mich natürlich auch.
* Lachen * War das schon irgendwie kritisch? Kommen Sie sich vor,
als ob ich Sie vorführe? Noch nicht.
* Lachen * Freude steht im Vordergrund, oder? Ich freue mich wahnsinnig,
hier im Staffelfinale zu sein. * Lachen * Und in der
wahrscheinlich letzten Sendung. * Lachen * So sprechen nur
Freunde über Freunde. Ich gehe jetzt rein.
* Lachen * * langes Brummen * * Brummen * * Lachen * Hallo, mein Freund!
* Lachen * Das ist aber schön. Schön, dass du da bist.
Wir können noch mal rumlaufen. * Lachen * Gut. So … Herr Kretzschmar,
ich freue mich, dass du da bist. Siezen wir uns? Bitte?
Siezen wir uns? Wir sind ja befreundet.
Ja. Also? Wir sind richtig gute Freunde.
Ziehen wir es professionell durch? Was stinkt denn hier so?
Du rauchst? Ist irgendwas Totes im Raum? Gleich. Rauchst du auch?
Gleich ist etwas Totes im Raum. Ich bin eigentlich Nichtraucher.
War irgendwas kritisch? Noch nicht.
Würdest du noch mal kommen? * Lachen * Fragst du das
als Frau oder als Mann? * Lachen * (ironisch) Ist ja ein Knaller-Gag. Schreib bitte den Knaller-Gag auf. Kretzschmar, Stefan Kretzschmar. Eigentlich bin ich Nichtraucher. Darfst du
in der Öffentlichkeit rauchen? Nein. Du bist ja Sportikone.
Ja, aber ich habe gelesen … Passivrauchen macht Krebs. Und … Deswegen habe ich
Zigaretten gekauft. Immer, wenn einer raucht,
rauche ich dagegen. Toll. Du bist ein toller Typ.
Ich freue mich so, dass du da bist. Du bist der beste Gast,
den ich je hatte. Du hast
das Konzept der Sendung geändert. Wir mussten es ändern, weil ich mich mit Ostimmobilien
verspekuliert habe. Ich müsste das
noch zehn Jahre machen. Wo im Osten hast du investiert? Weiß ich nicht,
hat mein Steuerberater gemacht. Boomtown Eberswalde? Du, hier stinkt es. Ist das die Decke?
Kurti, was soll es sonst sein? Sagst du Kurti zu mir?
Ach so. Kurt. Wir das so eine Bromance-Geschichte?
* Lachen * Das liegt an dir. Was hältst du von einem
Candle-Light-Dinner? Klingt geil. Wir haben Zehnjähriges. Wir beide?
Ja. Schön. Wir lernten uns kennen,
als du 34 warst. Wo haben wir uns kennengelernt? Beim Handball.
Du standest im Tor. Hier, im Namen … Ja. (lacht) Haben sie abgeklebt. Im Namen aller Gebührenzahler habe
ich dir diese Flasche kaufen lassen. * Lachen * Wir feiern mit Champagner? Ja. Haben wir noch nie gemacht. Ich dachte,
weil wir im Fernsehen sind … Mhm. Champagner im Verhörraum. So. Alles klar. Und hier … * Lachen * * Lachen * Pass auf, Schnuppelchen.
Jetzt kommt der Trick? Ich dachte, wir essen Döner.
Was hältst du davon? * Lachen * Döner ist klasse. Du dachtest:
eine Tasse Champagner und ein Döner? * Lachen * Na ja … Ist das … Alles Gute
zum Hochzeitstag, mein Liebling. Wir kennen uns jetzt zehn Jahre. Ist das Neukölln, oder was? Gibt es da zum Jahrestag
eine Tasse Champagner und Döner? Hast du dich nicht gefreut?
Mach doch mal auf. Also feierst du all deine Jubiläen
und Jahrestage so? Bist du mittlerweile single? Ich bin single, weil ich
letztens Hochzeitsessen hatte. Ist klar.
* Lachen * Kennst du türkisches Handwasser?
Kannst du benutzen. Nicht trinken. Alter Falter!
Hast du mal gerochen? Natürlich.
Das macht man sich so auf die Hände. Gib mal her.
“Gib mal her”! * Lachen * Du reibst es ein
und dann schnuppert es schön. Ich wollte nachher noch
in die Stadt gehen! * Lachen * Das wird nicht mehr gehen.
Iss deinen Döner, ich stelle Fragen. Fühlst du dich wohl?
Ich fühle mich sauwohl. Reib es ein. Es ist klasse bei dir.
Du kannst es über die Arme machen. Pass auf, nicht dass
die Tattoos abgehen. * Lachen * Schöne Geschichte,
dein böhmisches Handwasser … (stöhnt) Türkisches Handwasser.
Türkisches Handwasser. Jetzt bist du bei den Füchsen, oder? Ich bin seit Kurzem ein Fuchs. Was haben die Leipziger dazu gesagt? Der ganze Osten war nicht so erfreut
über die Aufgabe bei den Füchsen. Die Füchse sind ja
kein richtiger Ost-Verein. Du hast vorhin schon angekündigt … Füchse ist Reinickendorf … Wir verstehen uns
als Gesamt-Berliner Verein. Iss deinen Döner. Wie denn,
mit diesem komischen Handwasser? Das ist ja kein Blumendöner.
Gefällt es dir etwa nicht? Ich habe
gar keinen Hunger auf Döner. Trink wenigstens den Champagner.
Was soll das denn? Ich gebe mir alle Mühe,
damit du dich wohlfühlst. Iss ihn auf,
sonst werde ich sauer. * Lachen * Dann kommen wieder keine Gäste,
weil du dich verarscht fühlst. Aber nicht,
weil ich keinen Döner gegessen habe. Es hat andere Gründe,
warum hier keine Gäste mehr kommen. Ich würde sagen,
der Hauptgrund bist du. * Lachen * Wie? Ich habe doch erst eine Sendung
gemacht. Die habe ich gesehen. Bei Insta war mein erster Kommentar:
“Da kommt keiner mehr.” * Lachen * Dann rief ich dich an.
Dann riefst du direkt an. Nachdem du meinen Kommentar
gelöscht hast. * Lachen * Dann sagtest du:
“Kretzsche, Hilfe!” Du bist ja auch mein Freund. Es kommen nur noch Leute,
die sich im normalen Leben auch gern beleidigen lassen. Politiker. Die kriegst du,
die sind es nicht anders gewohnt. Aber Leute wie wir,
aus dem normalen Leben … Aus dem normalen Leben?
Du kamst mit dem Helikopter an. Ich kam mit dem Taxi. Aus
Reinickendorf in die Masurenallee. Luftlinie: drei Kilometer. Ich esse doch lieber den Döner. Das würde mich volksnah machen. So …
Wie alt ist der Döner, Kurti? Der ist von gestern aus der Probe.
Ja, genau. * Lachen * Iss den Döner doch! Über einen habe ich drüber geleckt. Über den? Kurti, den kann ich nicht essen. Iss bitte.
Mach, als ob es dir gefällt. Hast du noch etwas reingemacht,
was der Gag werden soll? Ist der besonders scharf?
Nägel habe ich reingemacht. Nägel. Und Rasierklingen.
Ich beiße dir zuliebe einmal ab. Um unserer Freundschaft willen. Unser erster gemeinsamer Döner. Beißt du auch mal ab? Iss du erst mal. Dann gucke ich …
* Lachen * Ob der noch gut ist. Alter, iss du mal Döner …
Schön, was? Deine Mutter war Handballerin,
Vater Handballer … Es war klar, dass du …
* Lachen * Was soll denn das jetzt?
Super. Ich bin aus der Konzentration raus. Mutter war Handballer…
Vater war Handballer. Du bist quasi
in eine Handballerkaste reingeboren. * Lachen * Es war eigentlich klar, natürlich. Meine Eltern
waren erfolgreiche Handballer. Meine Mama war damals
die beste Spielerin der Welt. Wann?
Es waren die 70er. Mit vollem Mund spricht man nicht.
Kurti … Den Gag hast du aber vorbereitet.
* Lachen * Vielen Dank.
Fiel mir gerade ein. Ich komme nicht in die Zeile rein.
Meine Fresse. Hast du geantwortet?
Ja, natürlich. Beide waren Handballer. War das alles?
Damit war die Frage beantwortet. Dass ich auch Handballer werde …
Das war doch meine Frage. Stell mir doch nicht meine Frage.
Ich habe sie mit Ja beantwortet. Geht das jetzt so weiter:
“Ja, nein, vielleicht”? Das kommt auf die Frage an. Mach es gern in den Champagner,
da ist eh alles drin. Handball-Weisheit: “Wer nichts kann, kommt ins Tor
oder nach links außen.” “Links außen” hast du dazugedichtet.
* Lachen * (lacht) Es steht hier.
Hinter “Tor” war ein Punkt. “Oder links außen”. Nein.
Wie kamst du nach links außen? Ich war damals zu klein.
Kleine spielen immer links außen. Fingst du mit vier an?
Mit sieben. Mit sieben? Ja. Bei Dr. Kurt Ritter
im Friedrichshain. Das hast du dir ausgedacht.
Nein. Du bist schlecht vorbereitet. Das habe ich dir
vor zehn Jahren schon erzählt. Das vergesse ich doch wieder.
Du standest im Tor und fragtest: “Du hast so einen scharfen Wurf.
Wo hast du den gelernt?” Ich sagte: “Bei Dr. Kurt Ritter
im Friedrichshain.” Du sagtest: “Ach, Dr. Kurt Ritter?”
Ich sagte: “Ja, Dr. Kurt Ritter.” * Lachen *
Das hast du vergessen? War das bei Kurt Ritter
im Friedrichshain? Genau. Ich war zu klein.
Die Kleinen müssen nach links außen. Die Dicken gehen ins Tor.
* Lachen * Ist Heinevetter dick?
Heinevetter ist die Ausnahme. Wie lange ist Heinevetter noch
bei den Füchsen? Noch ein Dreivierteljahr,
noch diese Saison. Was lachst du denn so?
Das ist eine gemeine Frage. Wieso?
Weil du das so … Ist doch klar, dass Heinevetter
geht. Das ist ein Verhör. Du versuchst bestimmt,
ein paar Infos rauszukitzeln, die noch keiner weiß. Genau. * Lachen * Was ist deine Lieblingsfarbe?
* Lachen * Weiß ich gar nicht.
Siehst du? Vielleicht finden wir es raus.
Finden wir raus. Normalerweise Schwarz.
Schwarz ist keine Farbe. Das sehe ich heute an dir. Geil, oder? Ich habe das Gefühl,
du kommst zu einem Begräbnis. Ist ja auch deine letzte Sendung!
* Lachen * Hat etwas von Begräbnis. Ja.
Aber schön, dass du da warst. Wollen wir nicht
etwas zusammen machen? Ich würde mich freuen.
Wir würden es gut machen. Etwas mit Handball? Wir wären
Good Guy und Bad Guy. Geil. Dann kommen auch wieder Gäste. Gäste sind mir scheißegal. Machen wir etwas ohne Gäste? Ohne Gäste und Zuschauer. Nichts Aufgenommenes,
wir treffen uns einfach. * Lachen * Live … Wir treffen uns
einmal pro Woche zum Kuchen essen. Du warst bei MTV.
Der schmeckt auch scheiße. Was ist denn los?
Hast du kein vernünftiges Bier? Nein. Als du anriefst, fragtest du, was ich trinken will.
Ich sagte: “Bier.” Du warst auch bei MTV. Ja.
* Lachen * Ich habe etwas vorbereitet.
Ich bin gespannt. * Musik * Ihr seid
zu Hause bei Stefan Kretzschmar. Alle Leute,
die Briefmarken sammeln oder Panflöte spielen,
sollten abschalten. Aufgezeichnet wir bei Kretzschmars
immer dann, wenn es der Terminkalender zulässt. Die Show ist
auf den Musikfan zugeschnitten, mit illustrer Gästeschar. Es sind schon so Leute … Nicht unbedingt nur Promi-Musiker, die über ihre neue Platte reden, sondern Leute,
die auch etwas zu sagen haben. * Lachen * Es ist peinlich, oder?
Tut weh, was? Mir hat es richtig wehgetan. * Lachen * Man schämt sich
für seinen eigenen Freund. Waren das Smokey Eyes?
Ja. * Lachen * Kannst du das heute noch? Sagen wir mal,
wir gehen auf einen Filmpreis. Ist ja nur hypothetisch. Hast du das selbst gemacht? Nein,
ist hatte eine … Natürlich! Willst du noch? Du hast die guten
MTV-Zeiten nicht mitgekriegt. Nein, wir hatten
kein Kabelfernsehen. Wo warst du Ende der 90er?
In Neukölln ist klar … Du wirst lachen. In Reinickendorf.
Nein! Doch. Du bist Neuköllner.
Nach der Scheidung meiner Eltern zogen wir um. Ich hatte nur ARD, ZDF und SAT.1,
aber krisselig. * Lachen * Aber … Ich wurde mit “Raumschiff
Enterprise” und “Love Boat” groß. Das erklärt einiges.
Warst du noch nicht beim Fernsehen? Es geht jetzt
in die andere Richtung, ein Dialog. Ende der 90er? Da habe ich …
Du bist zwei Jahre jünger als ich. Ende der 90er? Sicher.
Da war ich schon nicht arbeiten … * Lachen * Sondern?
Warum stellst du die Fragen? Was soll das? Setz dich her,
dann siehst du, wie hart das ist. Ist nicht mein erstes Mal in so
einem Raum. Ich komme aus der DDR. Warst du in Verhörräumen?
Ja. Das nannte man
“politische Schulung”. Wie alt warst du denn?
Du bist 46. Als die DDR zumachte,
warst du … 16. Da warst du schon im Verhörraum? Ja, in Räumen,
die aussahen wie dieser. Was wollten die von dir? Die wollten mir Regeln erklären, wie man sich im sozialistischen
Ausland zu verhalten hat. Sich nicht
von der Gruppe entfernen … Nicht auf den Damm rennen.
Auf den Damm rennen? Auf den Damm,
auf die Straße. * Lachen * * Lachen * Alter … Was willst du jetzt mit “Damm”? Man darf nicht auf den Damm rennen,
weil man sonst überfahren wird. Meinst du den Bürgersteig?
Einen Damm, eine Straße! Ein Damm? Einen Damm gibt es an der Ostsee.
Das heißt Damm, Kürfürstendamm z. B. * Lachen *
Ich weiß … Kurfürstendamm, Kaiserdamm.
Ja. Verstehe. Sagst du “Kurfürstenstraße”? Ach, die gibt es auch.
* Lachen * Sie erklärten mir nicht, dass ich
nicht auf den Damm rennen darf. So schlau war ich mit 15 schon. Sie erklärten einem, du sollst dich
nicht von der Mannschaft entfernen, um dich dann abzusetzen. Das muss
ein knallhartes Verhör gewesen sein. Immer in Zweierreihen
an den Händen fassen. Das war früher … Du warst
mit Kabelbindern festgebunden, damit sie dir das erklären? Wir hatten keine Kabelbinder. Aber es kamen zwei Leute mit
Trenchcoat rein, die mir erklärten, wie ich mich zu verhalten habe. Zieh das nicht ins Lächerliche. Warum wirst du so zickig?
Ein ernstes Thema. Du wirst krötig. Krötig?
Wir lieben uns. Kröte auf dem Damm.
* Lachen * Ja, wir lieben uns.
Sei nicht so gehässig. Wenn ich eine Frage stelle,
kannst du doch überrascht tun. “Der ganz dicke Otto!” Gut, machen wir ab jetzt.
Okay. Hast du noch eine Frage? Ja. Hast du eine Meinung? Ja. * Lachen * Darf jeder seine Meinung sagen? Du bist eine Sau. Heutzutage ist die Gesellschaft so, dass du für jeden Kommentar
eins auf die Fresse kriegst. Das will keiner mehr. Dem setzt sich
kein Profisportler mehr aus. Die gehen alle
ihren gemütlichen Weg. Keiner streckt den Kopf mehr
höher raus als er muss, weil er Angst hat,
eins auf den Deckel zu kriegen. Ich würde mich dem nicht aussetzen. Wir haben in unserem Land
Meinungsfreiheit in dem Punkt, dass wir für Kritik
nicht in den Knast kommen, aber keine Meinungsfreiheit
im eigentlichen Sinne. Das Thema kam auf,
weil ich sagte, “Meinungsfreiheit im eigentlichen
Sinne gibt es nicht mehr.” Die meisten Menschen befinden sich
in ökonomischen Abhängigkeiten. Ein Job … Nur du befindest dich
in keiner ökonomischen Abhängigkeit. Du hast ja nichts. Du bist Comedian:
Die können sagen, was sie wollen. Immer unter dem Thema
“Ich bin ja Comedian”. Nur, weil “bunte Gesellschaft”
und “Ausländer” darin vorkam, griff es sich die AfD und tat,
als wärst du einer von ihnen. Da dachte ich:
“Nein, das möchte ich nicht.” Ich weiß,
dass du keiner von denen bist. Ich bin ganz weit entfernt.
Aber sie haben es so genutzt. Wie lange ging die Scheiße? Drei
Tage? “Was ist mit Kretzsche los?” Meine zwei Beispiele für
Meinungsfreiheit waren unglücklich. Ich hätte noch drei,
vier mehr nennen müssen. Diese hinterfotzige Art. Die picken sich aus einem
45-Minuten-Interview 30 raus und machen ein Fass auf. Man hört und sieht es
und sagt “Okay”. Aber wir fragen gar nicht mehr nach.
Mache ich nie wieder. Aber du machst trotzdem
die Fresse auf. Ja, aber kein Video-Interview mehr,
wo man irgendwas rausschneidet. Man kann alles
aus dem Zusammenhang reißen. Entweder,
du machst eine Live-Sendung … * Lachen * So … Oder du vertraust … demjenigen, der es macht. Du vertraust mir, oder?
Ja, leider. * Lachen * Ich bin damit
noch nie falsch gefahren. Du hast mich noch nie enttäuscht.
Ja, oder? Hast du nicht. Immer noch nicht.
Noch nicht. Aber wenn ich
noch einen Satz sage … FKK z. B.: Ich habe euch
immer beneidet. * Lachen * Ihr wart einfach nackend.
Kannst du doch auch machen. Du kannst das doch machen.
Ja, nachdem ich abgenommen habe. Du hast doch einen Körper.
Ja, Körper-Klaus nennt man mich. Künstlername: Kurt Körper.
Verscheißerst du mich? Nein,
ich habe dich schon nackt gesehen! Ja? Du kannst dich sehen lassen.
Mhm! * Lachen * (lacht) Merkst du?
Grins mich nicht so an. Bei Instagram würden wir Herzchen
und einen Filter drüberlegen. Also … Darf ich dich umarmen?
Ja, bitte. * Lachen * (lacht) Drück nicht so fest zu. Und was macht die Presse
aus so einer Aussage? Sie ruft
alle möglichen Heinis an und sagt: “Kretzschmar sagt, Meinungsfreiheit
gibt es nicht mehr.” Das ist völliger Quatsch,
weil ich explizit sage, dass es Meinungsfreiheit
juristisch gibt. Okay.
Wir reden jetzt über die Füchse. Ja. Da ist ja der … Du kennst dich im Handball gut aus.
Selbstverständlich. In einem FAZ-Artikel sagtest du, Fußball findest du scheiße,
Handball geil. Ja. Das finde ich super.
Ist meine Meinung. Daraus wurde aber kein Shitstorm.
Nein, warum auch? Na, du kannst dich
aus dem Fenster lehnen. So, du bist jetzt
Direktor der Füchse. Ja. Herr Direktor.
Nein, ich bin Sportvorstand. Und …
Entschuldige dich bitte bei mir. Hör auf jetzt.
* Lachen * Wie jetzt?
Und … Füchse. Ja. Langweilig: Du bist zuständig
für Kommunikation und Sponsoring. Ja, Kommunikation.
Für Meinungsfreiheit des Sports? Wir machen mal was zusammen.
Füchse-Podcast. Mit Kurti,
dem alten Handballtorwart. Das wäre revolutionär.
Ich als Torwart? Nein. Nein, ein Podcast-Host,
der mal Torwart war. Du bist Handball-Fachmann.
Natürlich. Wollen wir nicht mal etwas
auf professioneller Ebene machen? Was stellst du dir vor?
Berichterstattung, Nachspiel… Wie heißt das?
Nach dem Spiel so machen, als hätte man es besser gemacht.
Wie heißt das? Experte. Ja!
* Lachen * Experte.
Bist du doch mittlerweile. Wollen wir nicht mal was machen? Du bist sogar mit
der Nationalmannschaft befreundet. Ich war mit allen im Bett.
* Lachen * Bis auf Andi Wolff.
Der ist zickig. Der hat … Der will so viel.
Da dachte ich: Nein. Umarmen kannst du schon mal gut.
Zärtlich bist du bestimmt auch. Und Frank Steffel
ist Clubpräsident bei euch? Stimmt, ist mein Präsident. Es gab heute diese Szenen
auf dem Alexanderplatz. Edmund Stoiber,
geschützt von Schirmen, redete und sagte dann: (Stoiber) Sie werden uns
mit Sicherheit nicht vertreiben. Er wollte sich nicht
vertreiben lassen, aber neben Punks
gab es auch Gegendemonstranten. Es sollen 20, 30,
vielleicht mehr als 50 gewesen sein. Es flogen immer wieder
Eier und Gemüse auf Frank Steffel. Es traf ihn nicht, aber
die Veranstaltung wurde abgebrochen. Alter! Das ist Frank Steffel,
der sich hinter Stoiber versteckte. * Lachen * Er versteckt sich nicht,
er stellt eine Sperre. Hinter ihn?
Das ist ein Kreisläufer. * Lachen * Er stellte sich hinter ihn,
um ihn von vorn zu schützen? * Lachen *
Er ist der Abwehr-Boss. Ich dachte,
Stoiber wird mit Eiern beworfen und er schützt sich hinter ihm. Nein, der Abwehr-Chef
organisiert von hinten die Abwehr. Die 6:0-Formation. Ach,
die haben Handball gespielt! Sicher. Ich dachte, das sind Eier.
Nein … Dann war es nicht so,
dass sie ihn nicht leiden können. Überhaupt nicht. Stoiber muss sich
nur umdrehen und verwandeln. Verzaubert ist er ja schon.
Er muss sich nur noch verwandeln. Er muss das Ei nur fangen.
Sagt man doch so. Fang das Ei, dreh dich rum,
mach das Ding rein! Und Steffel … Astrein. Guter Mann, was?
Gut, dass einer hinter dir steht. Einer für die Abwehr,
der hinten den Laden dichthält. Das war eine unbefriedigende Antwort
für dich, oder? Ja. Hast du dir anders vorgestellt.
Entschuldige dich bei Steffel. * Lachen *
Das ist … Für mich ist das ein Teppichluder.
* Lachen * Als Mann? Der hat einen Teppichladen.
Aber ein Teppichluder ist weiblich. Er verkauft Teppiche. Nicht mehr.
Doch, er hat den Teppichladen. Bei der ZDF-Schalte damals
war seine Frau da. Der Journalist fragte:
“Ist Ihr Mann Teppichverkäufer?” “Nein!”
* Lachen * “Was verkauft er denn?” “Bodenbeläge.”
* Lachen * Da dachte ich zum ersten Mal,
der hat sie nicht alle. Aber ich entschuldige mich.
Natürlich. Herzlich. Aber jetzt ist er Politiker.
Er hat das immer noch. “CDU-Bundestagsabgeordneter Steffel versandte
für die Bundestagswahl 2017 Wahlbriefe mit der gefälschten
Unterschrift der Kanzlerin.” Was steht
in deinem Vertrag unten rechts? * Lachen * Welcher steht da? Meinst du, da steht “Angela Merkel”?
* Lachen * Kann doch sein. Habe ich
einen Vertrag mit Angela Merkel? Na, wenn Steffel
unterschrieben hat … Ich habe noch nicht nachgeguckt. Der Vertrag ist nicht mit Steffel,
sondern mit dem Geschäftsführer. Ich würde bei den Füchsen eintreten,
wenn Steffel nicht wäre. Warum machst du das zur Bedingung?
Du kommst doch wegen der Sportliebe. Deswegen bin nicht mal bei Insta
mit den Füchsen befreundet. Du folgst denen nicht?
Nein. Wegen Steffel. Die folgen dir auch nicht. Ja, so eine Beleidigte-Wurst-Nummer. Eine Win-win-Situation.
Egal. Kick ihn raus
und ich werde Vorsitzender. Ich kann meinen Präsidenten
nicht rauskicken. Du hast gesehen, welche Fähigkeiten der Mann hat. Du musst dich entschuldigen
und revidieren. Bist du schon am Ende?
Ich kann mich nicht entschuldigen, weil die Sendung vorbei ist.
Nicht dein Ernst. Es war schön, oder?
Hast du dich verscheißert gefühlt? Ist die Sendung echt vorbei?
Klar, was dachtest du denn? So abrupt machst du Schluss?
Klar. Also nicht mit dir.
Ich kenne dich anders. * Rülpsen *
Oh … * Lachen * Da kam ein Döner hoch.
Komm. Ein bisschen in den Mund.
Hör auf. Alter …
Wir kommen jetzt raus. Fassen wir uns an?
Natürlich. Wir sind doch verliebt. Siehst du? B, Puma für Sachsen.
Stell dich dahin. So.
Verehrte Damen und Herren, ich bin jetzt
der neue Vorsitzende der Füchse. Herr Kretzsche hat es versprochen.
Was man verspricht, hält man. Ich kann dir den Job als Präsident
nicht anbieten … Ich nehme gerne an und …
* Lachen * Mit Gottes Hilfe
werden wir alles schaffen. Wo sind die Füchse in vier Jahren? Mit dir oder ohne dich?
* Lachen * Mit dir taumeln wir wahrscheinlich
in der zweiten Liga, ohne dich könnte es zur
Champions League reichen. * Lachen * Das ist ein böser Abschluss. Ich hatte einen anderen Abschluss
geplant … Was denn? * Hupgeräusch *
Irgendwas … * Lachen * Glückwunsch zur letzten Sendung,
wollte ich eigentlich sagen. * Klatschen * Wenn drei Leute
klatschen, war es scheiße. * Lachen * Hattest du
den Applaus schon freigegeben? Das sind die drei,
die wir bezahlt haben. * Applaus *
Hör auf jetzt! Du fällst auf. Ich habe euch immer geliebt.
Macht’s gut, Nachbarn. * Applaus *
* Musik * Untertitel: rbb 2019
Kerstin Ettlich